Chinas Nachbarländer: diese Staaten grenzen an die Volksrepublik

Chinas Nachbarländer: diese Staaten grenzen an die Volksrepublik

Die 14 Nachbarländer Chinas

Nordkorea

Eines der derzeit spannendsten Nachbarländer Chinas ist sicherlich Nordkorea. China pflegt seit Ende des Koreakrieges 1953 enge Beziehungen zu der Diktatur im Nordosten seiner Grenze. Für das international isolierte Nordkorea ist China der wichtigste Handelspartner, sowohl für Importe als auch für Exporte. Auch beschützt China Nordkorea vor zu großer Einflussnahme durch die USA, die in Südkorea rund 30.000 Soldaten stationiert haben.1 Nordkorea wiederum bildet einen geographischen Puffer zum westlich orientierten Südkorea.

Russland

Mit Russland teilt sich China nicht nur eine Grenze von 3.645 km Länge. Nach Ende des zweiten Weltkriegs stellten die beiden Länder für vierzig Jahre die größten kommunistischen Staaten der Welt dar. Bis heute unterhalten beide enge Beziehungen.

Mongolei

Auch zur Mongolei unterhält die Volksrepublik freundschaftliche Kontakte. Unter Chinas Anrainerstaaten teilt es sich mit 4.677 km die längste Grenze mit der Volksrepublik. 2017 gingen 85% der mongolischen Exporte nach China, darunter hauptsächlich Rohstoffe wie Kupfer und Gold. Umgekehrt war China mit 32% das wichtigste Import-Land.2 Zudem lebt in China eine Minderheit von rund 6 Millionen Mongolen. Die Mongolei selbst hat jedoch lediglich 3 Millionen Einwohner.

Kasachstan

Die ehemals zur Sowjetunion gehörende Republik Kasachstan hat für Chinas „Neue Seidenstraße“-Projekt große strategische Bedeutung. Ein großer Teil des Landwegs nach Europa führt durch dieses Land. Per Eisenbahn gelangen so Güter aus China in rund zwei Wochen bis tief in die EU hinein. Von den chinesischen Investitionen erhofft sich die kasachische Regierung eine größere Industrialisierung und damit geringere Abhängigkeit von Rohstoff-Exporten.3

Kirgisistan und Tadschikistan

Weniger bedeutend im internationalen Kontext sind Kirgisistan und Tadschikistan. Dennoch pflegt China auch hier gute Beziehungen, gibt den Ländern Kredite für Infrastruktur und Industrieprojekte. Während die Bevölkerung den zunehmenden chinesischen Einfluss auch kritisch sieht, ist das frische Kapital den Regierungen jeweils willkommen.

Afghanistan

Chinas Nachbarländer umfasst auch Afghanistan, das mit dem Wachankorridor an die Volksrepublik angrenzt.
China grenzt auf einer Strecke von 76 Kilometern an Afghanistan (rote Linie). Der Wachankorridor erstreckt sich im Nordosten Afghanistans über 300 km zwischen Pakistan und Tadschikistan.

Vielen ist gar nicht bekannt, dass Afghanistan auch eine Grenze zu China bezitzt. Doch im Osten erstreckt sich Afghanistan durch den etwa 300 km langen Wachankorridor bis an das Reich der Mitte. Die Grenze ist nur 76 km lang und führt über den Wakhjir-Pass. Dieser Hochgebirgspass kann von afghanischer Seite aus nicht befahren werden. Nur im Sommer kann man zu Fuß oder per Lasttier nach China gelangen.5, 6

China ist in Afghanistan der größte ausländische Investor. Im Gegenzug für die Hilfe beim Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur gewährte Afghanistan China substantielle Abbaurechte für Bodenschätze.4

Pakistan

Pakistan war eines der ersten Länder, das 1951 die Volksrepublik China statt der Republik China als offizielles China anerkannte.7 Bis heute unterhalten die Länder enge wirtschaftliche Beziehungen.  Der China-Pakistan Wirschaftskorridor ist ein Infrastrukturprojekt, das unter anderem eine direkte Straßenverbindung zwischen der Grenze im Norden und der Hafenstadt Gwadar im Süden vorsieht. Sie gewährt China Zugang zum Arabischen Meer und damit zum Indischen Ozean.8

Nepal

Auch in Nepal leistet China Entwicklungshilfe und betreibt Handel. Jüngst wurde bekanntgegeben, dass Nepal sein Eisenbahnnetz mit dem chinesischen verbinden wird und so seine durch das Himalaya-Gebirge isolierte Lage verkehrstechnisch aufwerten wird. Von Kathmandu soll man bald auf das tibetische Hochplateau reisen können.9

Bhutan

Bhutan befindet sich zwischen Indien und China in einer geographischen wie außenpolitischen Zwickmühle. Es ist das einzige UN-Mitglied, das weder zur VR China, noch zur Republik China diplomatische Beziehungen pflegt.Dennoch besteht reger informeller Austausch zwischen den beiden Nachbarstaaten.

Die Grenze zwischen beiden Ländern ist umstritten. 2017 kam es zu einer kleinen Eskalation, als China eine Straße auf von Bhutan beanspruchtem Gebiet baute. Die von Bhutan zur Hilfe gerufenen indischen Soldaten lieferten sich mit chinesischen Soldaten jedoch lediglich verbale Gefechte. Der Streit wurde schließlich auf höchster Ebene zwischen den beiden Staatschefs Modi und Xi beigelegt.

Myanmar

Chinas Nachbarländer mit Zugang zum Indischen Ozean sind rar und neben Pakistan zählt auch Myanmar dazu. Die Meeresanbindung ist besonders wichtig für die Erdöl- und Erdgasversorgung aus dem Nahen und Mittleren Osten. In jüngster Zeit belasten Gerüchte über eine chinesische Unterstützung von militanten Rebellen im Norden Myanmars die Beziehungen.

Laos

Laos bereisen viele Chinesen gerne als Urlaubsland. Über den Mekong hinweg wird gerade eine Eisenbahnverbindung zwischen der Grenze und der Hauptstadt Vientiane gebaut.10

Vietnam

Die Beziehungen zu Vietnam waren und sind auch heute unruhig. China unterstützte im Vietnamkrieg den Norden des Landes. Doch obwohl sich beide Länder kulturell ähneln und sozialistisch geprägt sind, waren sie noch 1979 in einen eigenen, kurzen Krieg verwickelt. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Rückzug der Vietnamesen aus Kambodscha begann sich die Lage nach 1990 zu verbessern und beide Länder nahmen ihre Handelsbeziehungen wieder auf.

Heute sind erneut Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer aufgeflammt. Insbesondere geht es dabei um die Spratly- und Paracelsus-Inseln, unter denen größere Gasvorkommen lagern sollen.

Indien

Die Beziehungen zu Indien waren historische vielleicht so bedeutsam wie keinem anderen der Nachbarländer Chinas. Indien beeinflusste China schon vor 2.000 Jahren sowohl kulturell als auch religiös. Insbesondere der Buddhismus und Hinduismus prägen bis heute auch die chinesische Gesellschaft.

Auch mit Indien lieferte sich China einen Grenzkrieg in der Mitte des 20. Jahrhundert. Im Herbst 1962 überschritt die chinesische Armee die sog. McMahon-Linie und überraschte die indischen Soldaten. Der Krieg dauerte nur einen Monat, forderte jedoch rund 2.000 Opfer.

Nach dem Krieg hatte sich Indien zunächst Moskau zugewandt. Erst in den 80’er Jahren entspannten sich die Beziehungen zu China wieder – zumindest wirtschaftlich. Zwischen den Jahren 2000 und 2012 hat sich der Handel zwischen beiden Ländern verzwanzigfacht.11

Quellen und weiterführende Links zum Thema Chinas Nachbarländer

  1. Wikipedia-Artikel über die in Südkorea stationierten Truppen der USAPekings Traum soll nicht Kasachstans Albtraum werden
  2. CIA – The Word Factbook: Mongolia (auf Englisch)
  3. Lesenswerter Artikel in der NZZ von Christian Steiner (15.6.2018): Pekings Traum soll nicht Kasachstans Albtraum werden
  4. The Diplomat: Is China Bringing Peace to Afghanistan? (auf Englisch)
  5. Wikipedia-Artikel über den Wachankorridor
  6. Wikipedia-Artikel über den Wakhjir-Pass
  7. China-Wissen kompakt-Beitrag über die Republik China auf Taiwan
  8. Umfangreicher Artikel in der englischsprachigen Wikipedia über den Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridor
  9. Telepolis-Artikel von Wolfgang Pomrehn (14.06.2019): China: Mit der Eisenbahn durch den Himalaya
  10. Meldung auf china.org: China-Laos-Eisenbahn: Erster Brückenteil über Mekong fertiggestellt
  11. Bundeszentrale für politische Bildung: Partner und Rivalen – Das schwierige Verhältnis der asiatischen Großmächte Indien und China

Alex

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