Gesichtserkennung wird Pflicht bei SIM-Karten-Registrierung in China

Gesichtserkennung wird Pflicht bei SIM-Karten-Registrierung in China

Neue Vorschrift verlangt Bild für Gesichtserkennung

Seit dem 1. Dezember 2019 gelten in China strengere Regeln bei der Registrierung neuer Mobilfunkanschlüsse. Wie das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) schon im September verkündete (unten verlinkt), sind von jedem Käufer einer neuen SIM-Karte Aufnahmen zur automatisierten Gesichtserkennung anzufertigen. Diese Gesichtsscans sollen mittels künstlicher Intelligenz zweifelsfrei die Identität einer Person sichern.

Eine Klarnamenpflicht bei der Registrierung von neuen Mobilfunkanschlüssen bestand bereits seit längerem. In dem neuen Dokument wird als Grund für diesen nächsten Schritt der „Kampf gegen Terrorismus“ und „Internetbetrug“ angeführt. Es sollen zudem die „Rechte und Interessen von Nutzern im Internet“ besser geschützt und durchgesetzt werden können.

Gesichtserkennung wird in immer mehr Bereichen eingesetzt, wie etwa in öffentlichen Schulen, Parks und im Nahverkehr. Dies führt regelmäßig zu Kritik von Menschenrechtsgruppen, erhält aber auch durchaus Zuspruch von einem Teil der chinesischen Öffentlichkeit. Sicherheit ist vielen Chinesen wichtiger als Privatsphäre. Laut nationalem Statistik-Büro hatte China Ende 2018 1,56 Milliarden Nutzer von Mobiltelefonen.

Vergleich zu Deutschland

  • Auch in Deutschland besteht seit dem 1. Juli 2017 bei der Registrierung von SIM-Karten eine Ausweispflicht (§ 111 Abs. 1 Telekommunikationsgesetz). Bilder werden beim Kartenkauf nicht angefertigt. Da deutsche Pässe und Personalausweise jedoch ein biometrisches Foto enthalten, können auch deutsche Sicherheitsbehörden eine Mobilfunknummer mit einem Gesichtsbild verknüpfen.
  • Mobiltelefone werden in China wesentlich häufiger im Alltag genutzt. In Deutschland ist beispielsweise die Bezahlung mittels Handy-App noch selten, in China ist sie fast Standard. Dort nehmen zum Teil nicht mal einfache Street Food-Stände mehr Zahlungen mit Bargeld an. Apps mit Bezahlfunktionen wie „WeChat“ verknüpfen ihre Benutzerkonten jedoch mit der (eindeutigen!) Mobilfunknummer. Man kann also durchaus argumentieren, dass in China eine höhere Notwendigkeit besteht, Nutzer vor Betrug zu schützen, wenn sich die Zahlungsmethoden (und damit Betrugsarten) in die digitale Welt verschieben.

Falschmeldung bei ntv: Gesichtserkennung bei Handykauf

Die Internetseite des Nachrichtensenders ntv berichtete am 1. Dezember falsch über das Thema. Unter der Überschrift „Handykauf in China nur noch mit Foto“ wird auch im Artikel unkorrekt erläutert, dass „[j]eder Käufer eines neuen Handys […] sein Gerät mit einem aktuellen Foto verknüpfen [muss]“. Dabei steht im weiteren Text sogar korrekt, dass „die Telekom [sic!]-Gesellschaften“ verpflichtet wurden, die Identität zu erfassen (und nicht die Verkäufer bzw. Hersteller von Mobiltelefonen).

Das Bild zeigt, wie die Falschmeldung bei ntv online aussieht. Die Gesichtserkennung wird nicht beim Handykauf, sondern beim SIM-Kartenkauf verlangt.
Falschmeldung bei ntv: nicht der Handykauf, sondern die Registrierung neuer SIM-Karten werden mit Gesichtserkennung verbunden.

Wie oben beschrieben bezieht sich die Anweisung jedoch auf die Registrierung von SIM-Karten und nicht auf den Kauf von Handys. Was in der Überschrift und im Anreißer noch falsch steht, wird im ersten Absatz dann korrekt dargestellt: bei der neuen Anweisung geht es um die Verknüpfung der Telefonnummer.

Quellen und Links zum Beitrag

Alex

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